Lesung für Liao Yiwu: Kulturkirche Köln, Freitagabend

Was bereits zur Frankfurter Buchmesse 2009 geschehen war, wiederholte sich in diesem Frühjahr anlässlich der lit.COLOGNE: Die chinesischen Behörden verweigerten dem Schriftsteller und Musiker Liao Yiwu die Ausreise nach Deutschland, die Polizei holte ihn am 1. März aus dem Flugzeug mit dem er über Peking nach Deutschland geflogen wäre. Seit dem 1. März lebt Liao Yiwu unter Polizeiüberwachung, während der vergangenen Wochen hat er mehrfach Kontakt mit den deutschsprachigen Medien aufgenommen und seinen Fall und die Situation in China scharf kritisiert.

Der Skandal der Festnahme von Liao Yiwu sorgte für heftigen Protest im Ausland. Auf der lit.COLOGNE fand nun gestern Abend eine Veranstaltung statt, mit der versucht wurde,  Solidarität mit ihm unter Beweis zu stellen. Wir erlauben uns, aus einem äußerst lesenswerten Interview zu zitieren, das Liao Yiwu erst gestern der tageszeitung gegeben hat, und in dem es auch um die lit.COLOGNE bzw. Literaturfestivals überhaupt ging, und zwar aus Sicht eines chinesischen Dissidenten, die die Dinge in doch ganz andere und dringliche Bezüge setzt. Das Interview wurde von Jutta Lietsch geführt, es ist online unter http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2010%2F03%2F19%2Fa0013&cHash=32af67d7da zu finden.

Wenn Sie in China ein Literaturfestival organisieren könnten: Wen würden Sie einladen, über welche Themen würden Sie sprechen?

Ganz sicher über die Untergrundliteratur, über verbotene Literatur. Das würde sehr viele Leser anziehen. Ich würde Lesungen dieser Untergrund-Literatur veranstalten. Diese Werke und ihre Autoren würden wie die Ratten nach oben kommen. China ist in dieser Hinsicht sehr spannend! Ich würde auch die Leute dazuholen, die unsere Bücher illegal kopieren. Diese Praxis verletzt unsere Interessen. Auf der anderen Seite können unsere Werke überhaupt nur verbreitet werden, weil sie illegal kopiert wurden. Das gilt auch für Filme. Ich würde zum Beispiel sehr gern jene interviewen, die „Das Leben der Anderen“ raubkopiert haben.

Warum?

Ich möchte wissen, warum sie gerade diesen Film zum Kopieren ausgesucht haben, mit welcher Absicht sie es taten.

Sie durften nicht nach Deutschland fahren, sie beklagen die fehlende Freiheit der Rede. Hat sich in China denn gar nichts geändert?

In Zeiten Mao Tse-tungs wurde das Denken der Menschen so stark kontrolliert, dass alle dasselbe dachten. Aber jetzt gibt es viele Nischen. Die Ratten haben die Erde untertunnelt und ausgehöhlt. Oberflächlich gesehen, ist dieses Land schön geordnet, die Wirtschaft entwickelt sich, überall stehen hohe Häuser. Aber darunter gibt es überall Löcher. Deshalb finde ich die Gesellschaft an der Basis interessanter als alles andere in China. Da unten können sich die Menschen entspannen, über die Regierung debattieren, über alles sprechen. Das gab es zu Zeiten Mao Tse-tungs nicht.

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