Hinter den Kulissen: Edmund Labonté, einer der Geschäftsführer der lit.COLOGNE

Alles nähert sich dem Ende, der Countdown läuft. Wir haben in den vergangenen zehn Tagen alle Programmmacher der lit.COLOGNE interviewt, einfach, um mal zu gucken, wie das entsteht, so ein größtes Literaturfest Europas, und was für Köpfe da Jahr für Jahr mit neuen Ansätzen und Ideen für Köln aufwarten. Zum Abschluss dieser kleinen Reihe hier im Blog heute ein Interview mit Edmund Labonté, einer der drei Geschäftsführer der lit.COLOGNE, den wir heute Abend dann wie alle anderen Festivalmenschen ganz, ganz sicher für viele letzte, schöne, wehmütige Stunden bei der Abschlussparty im Festivalcafe antreffen werden.

Wie hat das eigentlich alles angefangen mit der lit.COLOGNE?

Wie das alles losgegangen ist? Also, die Geschichte ist die: Ich hatte mich irgendwann in den frühen Neunzigern selbstständig gemacht, mit einem Büro für Verlagsmarketing. Und Ende der Neunziger kam dann Werner Köhler als Geschäftspartner dazu, und noch später dann Rainer Osnowski … Und da gibt es jetzt eben diese für uns legendäre Geschichte, dass Rainer und Werner mal in der Eisdiele gesessen sind und überlegt haben, was wir denn noch machen könnten. Und dann hatten sie plötzlich die Idee eines Literaturfestivals. Es gibt Festivals für alles, Theater, Musik, Film, Tanz, warum sollte die Literatur das nicht auch können?

Und dann habt ihr einfach das Festival gestartet?

Naja, wir hatten jetzt erst mal gute Ideen für ein Literaturfestival, aber damit noch lange kein Geld, um diese Ideen auch umzusetzen. 2001 war ja der Neue Markt zusammengebrochen, diese ganze Internetgeschichte war den Bach runtergegangen, es war eigentlich damals so gut wie kein Geld zu kriegen. Aber über einen Freund von mir haben wir das dann im ersten Jahr völlig gegen den Trend doch hinbekommen und einen Sponsoringpartner gewinnen können. Und in den nächsten Jahren ging das dann so weiter, dass anfangs unser Verlag, der später dann „LKO“ hieß, Geld rübergeben musste für das Festival. Irgendwann stand die lit.COLOGNE dann auf eigenen Füßen.

Öffentliche Förderung habt ihr nie beantragt?

Ich glaube, man kann schon ein wenig stolz sein, dass bei uns kein Geld vom Staat verbraten wird. Genau das ist aber auch von Anfang an unsere Zielsetzung gewesen. Wir wollten nicht von Subventionen abhängig sein, das schafft ja nur Abhängigkeiten. Man wird dann unweigerlich kontrolliert, man hat sofort mit der Politik zu tun, und eben auch mit den ganzen Schranzen, die dann unweigerlich überall mitreden und mitmachen wollen. Naja, und außerdem: Man kann einem nackten Mann nicht in die Tasche greifen. Und die Stadt Köln, die ist ja nun wirklich nackter als nackt, da gibt es einfach für die Kultur nichts mehr zum aus den Taschen herausholen. Gerade jetzt in der Krise sind wir einfach nur froh, dass wir das Festival von Anfang an privat finanziert haben, im Gegensatz zu allen subventionierten Bereichen läuft das ja auch jetzt noch gut.

Was sind Deine Aufgaben in der Geschäftsführung?

Eine gewisse Aufteilung haben wir schon getroffen. Rainer und Werner sind inzwischen vor allem für das lit.COLOGNE-Programm zuständig, ich mache den Verlag, aber alle größeren Entscheidungen und Ideen machen und haben wir eigentlich zu dritt. Für mich ist das mit das Schöne, dass unsere Arbeit eben gerade kein ganz klassisches Geschäftsmodell verfolgt. Und das wirkt sich auch direkt auf die Arbeit aus: Es gibt keine jemals ganz klaren Aufteilungen der Arbeitsbereiche, es kann schon passieren, dass wir zusammen vor dem Computer sitzen und ein Plakat machen oder so etwas. Es gibt da eine bunte Vielfalt, genau, wie das Festival bunt und vielfältig ist, im Idealfall ist eben auch die Arbeit dafür so.

So eine Einschätzung passt eigentlich gar nicht so sehr zum klassischen Image von Lesungen.

Lesungen finde ich eigentlich langweilig, häufig kann man da schon denken, dass andere Formen der Vermittlung besser wären. Aber: Wenn bei einer Lesung etwas passiert, wenn es eine richtige Chemie zwischen Autoren, Sprechern, Moderatoren gibt, und wenn gleichzeitig auch noch ganz viel um die Lesung herum passiert, dass man da etwas erfährt über die Autoren und ihre Ideen, dann beginnt das alles doch plötzlich sehr interessant zu werden. Und das ist ja dann das Tolle an der lit.COLOGNE: Das in diesen zehn Tagen so viele Leute hier in Köln vorbeikommen, die einfach nett und interessant und eben auch allürenfrei sind. Vom Nobelpreisträger bis zur neuen Entdeckung kommen alle einfach und man hat mit ihnen zu tun, es entstehen unglaublich viele großartige Begegnungen. Genau das macht die Magie aus.

Wie fühlt sich das dann an, wenn das Festival läuft?

Die zehn Festivaltage stehen schon immer ganz schön monolithisch vor einem. Man weiß vorher, das wird jetzt viel. Und dann kommen ja noch die Nächste dazu, und etwas Alkohol, das ist auf jeden Fall anstrengend. Aber wenn man dann drin ist, eigentlich ab der ersten Lesung und dem ersten Abend, schlägt das Adrenalin voll durch den Körper, und dann macht das einfach nur noch Spaß, zehn gute Tage lang.

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