TAG NEUN

So langsam müssen wir der Wahrheit ins Gesicht schauen: die zehnte lit.COLOGNE nähert sich ihrem Ende. Grund zur Traurigkeit gibt es bei dem großartigen Programm heute aber nicht: Birgit Minichmayr liest Margaret Atwood, Patti Smith stellt ihr Buch „just kids“ vor, Bruno Ganz liest aus „Undendlicher Spaß“ von David Foster Wallace, in der Kulturkirche findet die Solidaritätsveranstaltung für den chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu statt und zum ersten Mal in der Geschichte der lit.COLOGNE wird heute der Silberschwein-Preis für das beste Debüt vergeben. Also, zum vorletzten Mal ab ins Getümmel!

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1 Kommentar

  1. Liebes lit.COLOGNE-Team !

    Ist euch schon mal aufgefallen, wie dürftig der Stadtanzeiger über dieses Lesefest berichtet? Ich weiß nicht, ob Ihr denen was getan habt (keine Gästekarte vielleicht?), aber von einer ortsansässigen Zeitung hätte ich schon mehr erwartet…

    Ich habe soeben meinen Dauerkauf des Blattes eingestellt und einen Leserbrief geschickt, dessen Abschrift ich Euch – wenn es denn hier rein passt – mitschicke.

    Gruß: Achim

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Ich möchte Sie darüber informieren, dass der Kölner Stadtanzeiger mit der heutigen Wochenendausgabe zum vorerst letzten Mal den Weg in meinen Haushalt gefunden hat, denn nachdem ich nun zehn Tage lang die spärliche und selbst in ihrer Dürftigkeit weitgehend inkompetente Berichterstattung Ihres Blattes zur lit.cologne und ihrer Veranstaltungen mit stetig wachsendem Unmut und zunehmendem Unverständnis verfolgt habe (wobei diese Tätigkeit schon etwas „Detektivisches“ hatte, wurde ich doch den Eindruck nicht los, einem Schatten, einem Phantom hinterher zu jagen…), spüre ich nun ein heftiges Gefühl von Ärger, dem ich nicht anders zu begegnen weiß, als es dem Verursacher – hier insbesondere Ihre sich in Urlaub, Kur, Reha oder beruflichem Wachkoma befindliche (???) Kulturredaktion – in Form eines Leserbriefes zurück zu geben.
    Es genügt nicht, meine Damen und Herren, eine Pressekonferenz mit Patti Smith zu besuchen und daraus eine halbe Seite Bericht zusammenzuklöppeln, dessen Inhalte und Fakten sich jeder halbwegs begabte Info-Pfadfinder im Internet verschaffen kann, über das eigentliche kulturelle Ereignis, den Auftritt dieser Künstlerin im Rahmen des großen Literaturfestivals, das in unserer Stadt inzwischen zum zehnten Mal (das ist ein Jubiläum, dem Ihre Zeitung in anderen Fällen – man möchte meinen, vom Nonstopflug Bickendorf-Raderthal einer Brieftaube bis zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung des Cheftontechnikers einer Kölner Oldie-Coverband sei vieles möglich, wesentlich mehr Aufmerksamkeit zukommen lässt) veranstaltet wird und Abend für Abend Kulturschaffende und Kulturkonsumierende in einem atmosphärisch wie inhaltlich beeindruckenden Rahmen zusammenführt, sich über ihre Lesung im Tanzbrunnen und ihr Erzählen vor und mit dem Publikum allerdings nur neunzehn spärliche Zeilen in einem stadtanzeigerblauen Kästchen zu erlauben.
    Es genügt nicht, meine Damen und Herren, zu einer Unterstützerveranstaltung für den chinesischen Autor Liao Yiwu die Amnesty-Vorsitzende Lüke zu interviewen, die bewegende und trotz Abwesenheit des eigentlichen Stars des Abends gut besuchte Veranstaltung aber mit keinem Wort zu erwähnen.

    Es genügt nicht, meine Damen und Herren, Fußball, KVB und die Zukunft des Schauspielhauses zu alleinseligmachenden Königsthemen der Kulturseite zu machen, über ein Literaturfest wie die lit.cologne aber nicht oder nur sehr wenig und rudimentär zu berichten.
    Es genügt nicht (auch in Köln nicht), dem Karneval über eine lange Session Sonderseiten und Hofberichterstattung einzuräumen, ein zehntägiges Lesefestival allerdings, das den Kölnern in weit über 150 Veranstaltungen Autoren und andere Künstler von internationalem Rang nahe bringt (und diese, nebenbei bemerkt, auch beherbergt, was in der Regel die Lektüre der Stadtzeitung am Hotelfrühstückstisch beinhaltet…), mit Nichtachtung zu strafen und ihm einen feuilletonistischen Schweigemantel umzuhängen.
    Es genügt nicht, sich Kölnische Zeitung auf die Titelseite zu schreiben, die Berichterstattung über einen großartigen, Menschen verbindenden, wesentlichen (und zudem in seiner Art angenehmen, sich einmal nicht dem dörflich-kölschen Possentum im Stadtalltag zuwendenden) Teil des Kölnischen Medien aus Sachsen, Frankfurt, Hamburg und anderen Teilen der Republik zu überlassen.

    Sie hätten also, meine Damen und Herren, die, gäbe es sie denn, Straftat der unterlassenen Berichterstattung begangen, und eben daraus rührt mein Ärger!
    Also: Ade, Stadtanzeiger! Vorerst für ein Jahr, denn dann haben Sie beim Elften Mal die Gelegenheit, einige Dinge besser zu machen.

    Achim Brandt


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