Hinter den Kulissen: Traudl Bünger, Programm

Wie sieht deine Arbeit als Programmmacherin bei der lit.COLOGNE aus?

Die Aufgaben wandeln sich ständig während des Jahres, in dem wir die lit.COLOGNE vorbereiten. Es geht los mit sehrviel Lesen, wir schauen die Neuerscheinungen des Frühjahrs durch und überlegen dann, welche Autoren wir einladen möchten. Parallel dazu bin ich zuständig für die Themenabende, da werden im Vorfeld natürlich Ideen gewälzt und recherchiert. Dieses Jahr habe ich einen Themenabend über den künstlichten Menschen, gemacht, die Idee dazu hatte ich im Sommer in Zürich, als ich eine Ausstellung über Roboter gesehen habe. Dann muss man natürlich sehen, ob das Thema so einen Abend tragen kann. Das entwickelt sich alles nach und nach, irgendwann ist klar, welche Autoren eingeladen werden, welche Themenabende man hat, dann muss ich mich um die Besetzung kümmern. Wir haben ja vor allem bei internationalen Autoren oft prominente Schauspieler, also müssen wir bei den Agenturen anfragen und die Agenten überzeugen. Und wenn das schließlich alles steht, schreiben wir gemeinsam das Programmheft. Danach kommt die konkrete Planung, es müssen Texte ausgesucht werden, die Abende geschrieben werden. Jetzt gerade bin ich eher so eine Art Kindergärtnerin, muss allen sagen, wo sie hinkommen müssen, fragen, ob sie noch Hilfe brauchen beim Aussprechen von russischen Straßennamen oder französischen Speisekarten.

Welche Phase bedeutet denn am meisten Stress, die letzte Vorbereitung oder das Festival selbst?

Schon das Festival selber, auch, weil man wegen des ganzen Adrenalins und der Aufregung schlecht schläft. Da wache ich machmal um vier Uhr morgens auf, weil mir noch Sachen einfallen, die ich noch machen sollte oder könnte, oder die schief gehehn könnte. Aber andererseits ist man auch wie in einem Rauschzustand, da merkt man die Anstrengung nicht so sehr.

Was sind deine besonderen Highlights in diesem Jahr?

Ich kann natürlich nur eine kleine Auswahl nennen, ein Abend, auf den wir sehr stolz sind, den Regina Schilling sich ausgedacht hat: Herta Müller trifft Ai Weiwei, da konnte ich zwar selbst gar nicht sein, habe mich aber trotzdem total darüber gefreut. Und dann hatte ich noch so ein paar kleinere, persönliche Highlights, zum Beispiel die Lesung mit Peter Kurzeck, das war ja sehr spannend ohne textbuch und Vorlagen.

Wenn du an deine fünf Jahre bei der lit.COLOGNE zurück denkst, gibt es einen Abend, an den du besonders oft denken musst, weil er entweder so schön oder so schrecklich war?

Ziemlich schrecklich für mich war letztes Jahr der Themenabend über Onanie „Liebe dich selbst“, als plötzlich zwei verschiedene Drehbücher auf der Bühne kursierten. Ich habe eigentlich immer noch Textfassungen als Ersatz dabei, aber an diesem Abend ausgerechnet nicht. Ich musste dann einen Fahrer vom Büro im Festivalhotel zum Theater am Tanzbrunnen fahren lassen mit einem neuen Textbuch. Die Strecke ist ziemlich weit, die Fahrt dauert eigentlich 20 Minuten, aber der Fahrer hat es in 12 geschafft. Zum Glück  sind Andreas Plattzhaus, Hannelore Hoger und Richy Müller völlig souverän geblieben, haben einen Witz draus gemacht. Das Publikum findet kleine Pannen sowieso meistens ganz lustig.

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