Ein einsamer Mann: Antonio Lobo Antunes, Dienstagabend in der Kulturkirche

Leider verpasst haben wir die vielleicht größte Lesung von Weltliteratur, die auf dieser lit.COLOGNE stattfinden konnte: Antonio Lobo Antunes, obsessiv Schreibender, Meister der Vielstimmigkeit, schroffer Begleiter Portugals, hat gestern Abend in der Kulturkirche aus seinem nächsten Roman vorgelesen, der auf Deutsch erst im Oktober erscheinen wird.

Wie ist das eigentlich, mit einem so unentwegten und vollkommenen Schreib-Arbeiter wie Lobo Antunes in Kontakt zu treten, ihn gar auf einer Lesung ganz für  sich zu haben? In der Einleitung zu einem Band mit Gesprächen mit Antunes (Sammlung Luchterhand, 2003, aus dem Spanischen übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann) erzählt die Journalistin Mariá Luisa Blanco sehr anschaulich von den Gefühlen, die bei der Befragung eines solchen Schriftstellers auftreten können, und die vielleicht auch gestern Abend zwischen Publikum und ihm eine Rolle spielten:

„Jedenfalls ist Lobo Antunes, obwohl er nicht allein lebt, ein einsamer Mann. Es ist eine gewählte Einsamkeit, weil er in dieser Einsamkeit das wahre Glück findet. Er lebt für seine Bücher, und es macht ihm nichts aus, der Literatur jenes Maß an Einsamkeit zu geben, das diese verlangt. Während unserer Treffen hat er nie über die Zeit geklagt, die er dabei verlor; aber ich habe häufig bemerkt, daß er nervös und unruhig war, weil ich seinen Büchern Zeit stahl, was bei Lobo Antunes bedeuten würde, sie ihm selbst zu stehlen. Im Laufe unserer Gespräche habe ich mich häufig gefragt, inwieweit seine Bücher tatsächlich sein Leben sind, wie er immer wieder betonte.“

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