Am Limit: Frank Schätzing, Mittwochabend in der Lanxess Arena

Die Frank Schätzing-Lesung ist erst zwei Stunden vorbei, aber einen Eintrag tiefer bei „TAG SIEBEN“ finden sich bereits zwei ziemlich wütende Kommentare zu ihr. Naja, bei 3.500 Besuchern gehen halt ein paar auch früher und kommen nicht so sehr auf ihren Geschmack, könnte man sagen. Andererseits aber muss man auch festhalten: Vielleicht war das tatsächlich kein ganz perfekter Abend, und allein schon wegen der gewaltigen Größendimensionen fiel alles nicht Perfekte doch sehr ins Auge.

Vor allem war das Programm einfach sehr, sehr lang. Schätzings Show – von einer Lesung kann man nicht wirklich sprechen – ist ja perfekt durchchoreografiert, da ist jeder einzelne Satz und Schlenker genau durchdacht. Aber in der zweiten Hälfte ging das dann dennoch so in die Vollen und wiederholte und wiederholte sich, dass man irgendwann nicht mehr ganz glauben konnte, dass Schätzing immer wieder den nächsten Programmpunkt aus dem Ärmel zauberte.  Verstärkt galt das auf Dauer ganz sicher für die „Comedy“-Anteile, immer noch ein Köln-Witz, immer noch ein Kalauer, das hörte ja gar nicht mehr auf. Man hatte ein wenig das Gefühl, Schätzing wolle beweisen, dass er ein Hans Dampf in allen Gassen ist, dass er witzig, informativ,  schnoddrig, hochliterarisch, wissenschaftlich versiert, prophetisch, moderationssicher und und und ist … Auf Dauer nervte das etwas, in jeder Hinsicht wäre weniger mehr gewesen.

Aber dennoch: Hätte man „Limit“ lieber als „richtige“ Lesung präsentiert bekommen, in kleiner Runde, mit Moderator, Lesepult  und anschließender mühsamer Fragerunde? Ich habe noch nie so etwas gesehen, wie Schätzing da heute Abend durchgezogen hat, das hatte einfach absolut gar  nichts mit Wasserglas-Lesungen zu tun, war einfach nur ein ziemlich irres, teilweise auch  richtig  gut abgehobenes Gesamtkunstwerk. Auch wenn mir also einiges nicht gefallen hat und der Abend lang war, muss ich trotzdem sagen: Ich finde das mutig und interessant, dass ein Autor (und sein Verlag, in dieser Produktion steckte ja auch richtig Geld drin) so etwas durchschlagend Spektakelmäßiges einfach mal ausprobiert, und ich finde auch, dass die Form dieses Spektakels zu Schätzings ja ebenfalls ziemlich großkalibrigen Büchern passt wie die Faust aufs Auge. Ein Literaturfestival sollte ja vielleicht auch unterschiedliche Formen von Literatur unterschiedlich und ihnen jeweils angemessen präsentieren, ich denke schon, dass man genau das in all seinen Höhen und Tiefen heute Abend in der Lanxess Arena erleben konnte.

(PS: In der taz gibt es übrigens  einen interessanten Artikel vom Anfang des Monats zu diesem „Gesamtkunstwerk aus Bestseller, Show und Weltrettung“ von Peter Unfried, online zu finden unter: http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/so-koennte-die-zukunft-sein/)

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7 Kommentare

  1. Ich war gestern acuh dabei in der lanxess-arena und ich muss sagen: ich war begeistert! Die Kommentare von Jörg und Bettina kann ich nicht nach vollziehen. Gut, ich muss auch sagen, dass ich seit langem ein sehr großer Fan von Frank Schätzings Büchern bin. Die Show gestern war für mich einfach nur spektakulär. Da steckten so viele gute Ideen drin… allein die Nachrichtensendung aus dem Jahr 2025 (der erste FC Köln als deutscher Meister!!), der 2025-Song, das Video mit den Hauptfiguren… so was habe ich noch nie gesehen. Vor Frank Schätzing ziehe ich da einfach nur den Hut! Was er alles weiß und unterhaltsam vermitteln kann und auch dass er sich so etwas zutraut!
    Für mich war diese Lesung einfach intergalaktisch gut!

  2. GÄnSEhAuT-FeeLINg

  3. Wem das gefallen hat, der sollte sich mal die ZDF-Dokumentation 2057 anschauen. Dann wisst Ihr auch gleich, wo die Inhalte von gestern Abend tatsächlich herkamen: http://www.dokumentarfilm24.de/2008/04/16/zdf-doku-2057-unser-leben-in-der-zukunft/.

  4. Echt langweilig, da hilft auch die ganze Technik nicht. Hab mir nur gewünscht, daß es schnell vorbei ist. Schade um Geld und Zeit!

  5. LitColone, das Event: Frank Schätzing in der Lanxess Arena…

    Übermächtig hängt das Banner neben dem Eingang der Lanxess Arena. Das passt, denn schließlich ist alles an Frank Schätzing mittlerweile ,bigger than life‘. Außerdem hat er heute ein Heimspiel. Vorschau-Bild: …

  6. Lieber Frank, das war gute Arbeit, vor allem erreichst du die, die sonst kein Buch lesen würden. Das ist klasse. Du bist so fotogen, zeig dich , dein face beim Lesen etwa, unbedingt auch riesengroß auf der Leinwand zeigen, deine Fans werden es lieben, du so klein unten vor den Schauspielern ist ein Supergau. D.S.

  7. Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres


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