Im Dickicht Kölns: Albert Speer jr. und Hemluth Berking, Montagabend in der Kulturkirche

Albert Speer junior ist ein Architekt, der in großen Dimensionen denkt. Und denken darf: Seit 2006 arbeitet sein Büro an der Komplett-Gestaltung einer ganzen, riesigen Stadt in China, die einmal ca. 300.000 Einwohner haben wird. Zur Lesung bei der lit.COLOGNE war als ziemlich freche Kombination zu diesem Macher mit Thomas von Steinacker ein junger Schriftsteller eingeladen, dessen letzter Roman genau solche geradezu utopischen Projekte aus ganz anderer Perspektive beleuchtet: In von Steinaeckers Roman „Schutzgebiet“ planen und bauen deutsche Kolonialisten eine „perfekte“ Stadt in Afrika, ihre Ideen münden sehr schnell in einen Größenwahn, der nur ins Verderben führen kann.

Leider musste von Steinaecker die Lesung absagen. Aber dennoch ließ sich immer noch an Speer und den Stadtsoziologen Helmuth Berking die Frage richten: Kann man Städte überhaupt „menschlich“ planen? Oder ist es nicht immer überheblich und am Menschen vorbei gedacht, wenn geplant und vor-gestanzt wird, wie einmal gelebt werden soll? Wäre in diesem Sinne nicht eigentlich jede Städteplanung „von oben herab“ eine Art Kolonialismus an den Menschen, die einmal in ebenjenen Städten von Tag zu Tag leben müssen?

Die Frage ist in Köln akut – und stieß auch auf reges Interesse des Publikums – weil ja Speer es gewesen ist, der den „Masterplan für die Kölner Innenstadt“ entwickelt hat. Speers Arbeiten und Denken wird sich damit in den kommenden Jahrzehnten ganz direkt auf den Alltag der Kölner auswirken, es lässt sich nur hoffen, dass Berking und Speer – und vielleicht auch das Publikum – auch dieses Projekt Speers möglichst kontrovers diskutierten.

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