EINPARKMANÖVER: Die lit.COLOGNE-Fahrer

Landauf, landab ist die lit.COLOGNE unter Literaturmenschen auch für etwas berühmt, das man eigentlich gar nicht ins Reich der Bücher rechnen würde: Hier in Köln wird nämlich Auto gefahren, und wie! Auf der lit.COLOGNE gibt es Shuttle-Service für allen an den Lesungen Beteiligten, rund um die Uhr, mit Dutzenden von Autos. De Shuttle-Fahrer sind eine legendäre, zusammengeschweisste Gemeinschaft und bereichern Nacht für Nacht das Festivalcafe, das aber natürlich alkoholfrei. Einer von ihnen ist Herbert Hoppe. Er ist schon die ganzen zehn Jahre dabei und hat alles transportiert, was mit Literatur in Köln zu tun hat. Wir haben einmal nachgefragt, wie das ist, Fahrer für die lit.COLOGNE zu sein.

Der typische lit.cologne-Tag, wie sieht der bei Dir aus?

Das liest sich jetzt vielleicht spannender als es ist: Ein typischer Tag bei der lit.Cologne beginnt für mich zwischen 6 und 8 Uhr morgens mit einer ersten Abholung oder einem Rückreise-Shuttle eines Autoren. Weiter geht es mit einer Versorgungsfahrt zum Bäcker, um die vorbestellten Brötchen abzuholen, von denen wir uns mit wachsender Begeisterung zehn Tage fast ausschliesslich ernähren. Anschließend stehen erste Fahrten mit Autoren/Künstlern und den Programmverantwortlichen zu den Veranstaltungsorten der lit.kid an. Und am Ende der Lesung natürlich der Rückshuttle. Im Prinzip läuft so der gesamte Tag ab: Abholungen am Bahnhof, am Flughafen oder, wenn die Künstler in Köln und Umgebung wohnen, bei ihnen zuhause; Besorgungen z.B. von Presseerzeugnissen für unsere Presseabteilung; Transporte von Requisiten, Utensilien und Getränken zu den Veranstaltungsorten etc..

Seit wann machst Du mit bei der lit.cologne, was ist der Reiz für Dich dabei?

Seit 2002. Ganz allgemein mag ich das sehr entspannte und auch familiäre Arbeitsklima bei der lit.Cologne. Und in vielen Fällen hat man ja auch sehr interessante und nicht alltägliche Gesprächspartner an Bord.

Gibt es eigentlich auch Pausen? Was macht ihr Fahrer denn immer in den Pausen?

Pausen gibt es natürlich gelegentlich. Meistens streitet man sich dann mit seinen Kollegen um den einzigen ausliegenden D&W-Katalog, man führt Tuning-Fachgespräche und optimiert Fahrtstrecken…

Gab es Autoren oder Mitarbeiter, deren Mitfahrt man nicht so schnell vergisst? Hast Du eine besondere Erinnerung an eine bestimmte Fahrt?

Schön waren die Fahrten mit Robert Gernhardt. Einfach ein angenehmer Fahrgast, der einem während eines Gespräches immer das Gefühl vermittelte, man sei kaum weniger geistreich als er, was ich – ganz objektiv –  natürlich nicht von mir behaupten würde. Auch an die Fahrten mit Herrn Reich-Ranicki denke ich gerne zurück. Ihn und seine Gattin durfte ich 2005 zuhause in Frankfurt abholen und abends wieder zurückbringen. Er entsprach so gar nicht dem Bild, das man aus den Medien kennt, war sehr freundlich und überhaupt nicht grantelig, wie man es vielleicht vermuten würde. Am Ende der Rückfahrt kurz vor Frankfurt fragte er mich, ob ich Kinder habe. Ich verneinte. Allerdings zwei kleine Neffen, setzte ich hinzu. Da drückte er mir mit den Worten: „Für Bücher“ vierzig Euro in die Hand.

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