Hinter den Kulissen: Regina Schilling, Programm der lit.COLOGNE

Regina Schilling ist einer der Programmmacherinnern der lit.COLOGNE.  Wir haben sie einmal gefragt, wie man das eigentlich macht, ein derartig großes und weit gestrecktes Programm, und wie sie die Entwicklung innerhalb von zehn Kölner Jahren lit.COLOGNE wahrgenommen hat. Dabei kommen wir auch auf einige Veranstaltungen zu sprechen, etwa das Müller-Ai Weiwei-Gespräch, die bereits stattgefunden haben, zum Zeitpunkt des Gesprächs aber noch in der Zukunft lagen … Die Tage auf einem solchen Festival, sie rasen dahin!

10 Jahre lit.COLOGNE: Seit wann bist Du dabei, wie bist du dazu gekommen?

Ich bin vom ersten Jahr an dabei. Ich war damals (und bin es heute noch) freiberufliche Filmemacherin, habe aber früher viele Jahre  Pressearbeit bei einem Verlag gemacht. Als Rainer Osnowski, Werner Köhler und Edmund Labonté mich für die Pressearbeit gewinnen wollten, war ich gleich begeistert von der Idee eines Literaturfestivals in Köln. Eigentlich wollte ich keine Pressearbeit mehr machen, darum bot ich an: Fürs erste Jahr helfe ich euch, dass das Festival eine große Öffentlichkeit bekommt. Wenn es ein zweites Mal gibt, möchte ich als Programmmacherin mit dabei sein. Und so kam es dann auch.

Hast Du Lesungen als Veranstaltungsform schon immer gemocht? Oder machst Du jetzt etwa selbst  Lesungen, weil du Lesungen oft auch nicht so gut findest?

Mir geht es vor allem um die Literatur, die SchriftstellerInnen und die Begegnung mit ihren Lesern. Dass eine ganze Stadt spürt, hier findet ein Autorenfestival statt, jetzt gerade geht es die ganze Zeit um Bücher, das macht mir Spaß. Ein großer Teil des lit.COLOGNE-Publikums ist, bevor es das Festival gab, nicht zu Lesungen gegangen. Der Sog eines Festivals reißt sie mit. Wir erweitern also sozusagen den Horizont der Leute.

Gibt es für Dich so etwas wie das Ideal einer gelingenden lit.COLOGNE-Veranstaltung, wie sähe so eine Lesung aus?

Eine gelungene Veranstaltung hat vor allem mit dem Charisma der Mitwirkenden auf der Bühne zu tun. Am tollsten finde ich, wenn man sich am Schreibtisch überlegt hat, man bringt Autor x mit Autorin y zusammen, überlegt sich, welche Schauspieler zu einem Buch passen könnten etc. … Und dann sitzen sie auf der Bühne, verstehen sich, haben sich etwas zu sagen (oder auch nicht, das kann auch spannend sein), die verschiedenen Texte, die gelesen werden, kontrastieren sich, reiben sich aneinander, etwas drittes entsteht. Und es ist eine Energie im Raum, die sich auf die Zuhörer/Zuschauer überträgt.

Was wäre die lit.COLOGNE ohne Köln?

Ich glaube, der Standortfaktor wird immer ein bisschen übertrieben. Es ist ja nicht so, dass die Münchner, Berliner, Hamburger etc. nicht auch gerne zu Lesungen gingen. Mit andern Worten: lit.COLOGNE wäre auch in anderen Städten möglich.  Aber natürlich ist das Kölner Publikum, so hören wir es immer von den Mitwirkenden, ein besonders herzliches.

Über welche Veranstaltung des diesmaligen Festivals bist Du so richtig erfreut? Wo schlägst Du drei Kreuze, das das geklappt hat?

Worauf ich mich persönlich besonders freue, ist eine Liedermatinee am 14.3. zum Thema Dichter und Komponisten mit den großartigen (singenden) Schauspielern Angela Winkler und Stefan Kurt und dem Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Verein. Das Konzept hat Gerhard Ahrens entwickelt und als ich es gelesen habe, spürte ich gleich, das wird etwas ganz einmaliges, nur für die lit.COLOGNE, nicht wiederholbar. Eine ganz zarte, eigenwillige, musikalische und mit Sicherheit zu Tränen rührende Veranstaltung wird das werden. Dann freue ich mich sehr, dass Herta Müller und Ai Weiwei zusammentreffen werden. Die beiden haben zugesagt, weil sie sich sehr für die jeweils andere Person interessieren und neugierig aufeinander sind. Die Einladung sprachen wir aus, bevor Herta Müller den Nobelpreis bekam, doch nur durch den Nobelpreis ist sie dann vermutlich zustande gekommen. Ai Weiwei las in China ein Interview mit Herta Müller über totalitäre Systeme. Das fand er so überzeugend, dass er die Einladung annahm.

Gab es auch schon mal eine Veranstaltung, an die Du Dich nur mit Schrecken erinnerst?

iIm ersten Jahr gab es eine Veranstaltung, die wir die „lange Kriminacht“ nannten. Wir hatten mindestens 8 Autoren eingeladen, aus aller Herren Länder. Der Abend wurde wirklich sehr sehr lang und die Zuschauer verließen reihenweise den Saal. Wir konnten sie natürlich nicht aufhalten. Das war ein grässliches Gefühl …

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