DAS GOLDENE MIKROPHON: Bernhard Robben, Übersetzer und Moderator

Gestern Abend gab es im Arkadas Theater in Ehrenfeld ja auch die Lesung mit Nicola Keegan aus ihrem Debütroman, „Schwimmen“. Übersetzt ist dieser Roman von dem Mann, der Keegan dann auch gestern vorstellte und durch den Abend führte. Übersetzen und Moderieren, wir haben einmal genauer nachgefragt, wie und warum das zusammenkommt. Und sind auf einen der Menschen gestossen, die die Lit.COLOGNE überhaupt erst zu dem machen, was sie ist. In den kommenden Tagen wird er nach Keegan auch noch Josh Bazell, John Burnside, Gerald Stern, Kamila Shamsie und Nadeem Aslam sowie Norman Ollestad moderieren. Das ist allerhand, oder? Aber der Reihe nach …

… Bernhard Robben:  Übersetzer und Moderator, und was für einer: Seit den achtziger Jahren über 100 Übersetzungen aus dem Englischen, darunter Romane von Autoren wie Salman Rushdie, Peter Carey, John Banville, Philip Roth, Ian McEwan, Alain de Botton und und und …. Bis zu fünfzig Lesungsmoderationen pro Jahr und inoffizieller Träger des Ehrennadel „Das goldene Mikrophon“ der lit.cologne: Niemand hat hier so oft moderiert wie er, Mal für Mal kundig und exakt, und das bei bis zu neun Veranstaltungen pro lit.cologne!

Lit.cologne, was ist das für Dich?

So etwas wie die lit.cologne gibt es nicht noch mal in Deutschland, auch das Berliner Literaturfestival ist ganz anders. In Köln ist einfach alles sehr konzentriert, das fängt schon damit an, dass sämtliche Autoren und Beteiligten zusammen im selben Hotel wohnen. Da entsteht ein ganz eigener Enthusiasmus, und der springt auf das Publikum über. Manchmal glaube ich fast, den Leuten ist es egal, für welche Veranstaltung sie Karten bekommen haben, Hauptsache, sie sind dabei. Die lit.cologne hat einfach ein einmaliges Publikum! Es gibt hier schnelle Reaktionen, es gibt Begeisterung, meistens weiß ich in Köln schon nach zwei, drei Minuten: Das wird jetzt ein wunderbarer Abend.

Wie bist Du zum Moderieren gekommen?

Das Übersetzen ist eine einsame Tätigkeit, mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht die unmittelbare Auseinandersetzung mit Menschen hätte. Jetzt sitze ich eben zwei, drei Monate am Stück einsam am Schreibtisch und mache eine Übersetzung fertig und dann gibt es eine Moderation oder ein Festival wie die lit.cologne, wo ich geballt Leute treffe, mich den ganzen Tag unterhalte, abends auf der Bühne sitze, und danach mit den Leuten noch ins Schokoladenmuseum kann. Und spätestens nach zwei Wochen ist das genug, dann freue ich schon wieder mich auf die Arbeit in der Einsamkeit am nächsten Roman.

Du bist schon seit der ersten lit.cologne als Moderator mit dabei?

Nein, erst seit der zweiten. Im ersten Jahr war ich ganz enttäuscht, weil ich von der lit.cologne gehört hatte und eine von mir übersetzte Autorin in Köln las, die ich gern moderiert hätte. Im nächsten Jahr war ich dann dabei, ich feiere mein zehnjähriges Jubiläum also erst im nächsten Jahr.

Ist das dann eigentlich irgendwann nur noch Routine, so viel zu Moderieren?

Nein, Routine wird das nie. Egal, wie groß das Publikum ist, ich bin vor jedem Auftritt wahnsinnig aufgeregt. Würde man mich vorher fragen, warum ich das mache, würde ich sagen, ich habe keine Ahnung. Ich leide dann, ich finde es grausam, ich denke nur, dass ich doch jetzt auch einfach zu Hause sitzen und Tatort gucken könnte.

Wovor hast Du denn Angst?

Es kann so viel schief gehen! Vor allem kann es Blackouts geben. Ich moderiere ja auf der Bühne nicht nur, sondern dolmetsche auch noch. Und da gehört eben dazu, dass ich mich mit dem Autor unterhalte, und während er antwortet und ich ihm zuhöre, muss ich mir meine nächste Frage überlegen. Und dann vergesse ich plötzlich, was der Autor gerade gesagt hat, dabei muss ich ja erst übersetzen, bevor ich meine Frage stellen kann, und darüber vergesse ich dann wiederum die Frage … Furchtbar. Eine andere schlimme Sache sind nervöse Autoren. Aber genau für diese Autoren bin ja ich als Moderator da. Es ist sozusagen meine Aufgabe, die Autoren wissen zu lassen, dass ich ihr Werk kenne, dass ich sie einschätzen kann, dass ich den Überblick über den Abend habe. Als Moderator bin ich dafür zuständig, dass die Autoren sich sicher und aufgehoben fühlen..

Aber Moderieren macht Dir schon Spaß, ja?

Und wie! Moderieren funktioniert ja allein über den Spaß. Lesungen funktionieren nur, wenn ich mich dem Autoren wirklich annähern will. Wenn ich mich richtig für ihn interessiere, dann erst fangen wir auch an zu reden. Nur so kann ein wirkliches Gespräch zustande kommen, nur so funktioniert das.

Wie sieht die Vorbereitung für eine Lesungsmoderation aus?

Also, meistens lese ich alles, was der jeweilige Autor veröffentlicht hat. Aber nur meistens, ich habe auch schon Terry Prattchet moderiert, da waren nur 26 Romane drin, dabei hat er ja schon viel, viel mehr veröffentlicht. Im zweiten Schritt setze ich mich hin und schreibe die Einführungen zu den Autoren, mit denen ich sie dem Publikum nahebringe, danach denke ich mir mögliche Fragen aus, und so immer weiter, bis ich mich völlig sicher fühle.

Und so hat man die Sache dann im Griff?

Soweit man sie im Griff haben will. Es gibt ja auch tolle Zufälle, schönes Chaos. Ich erinnere mich da zum Beispiel an eine Lesung mit TBC Pierre und Jan Josef Liefers, bei der beide … naja … nicht mehr ganz nüchtern waren, und da hatte ich nach anderthalb sehr guten Stunden die Befürchtung – die beiden hatten ihren Wein ja auch mit auf die Bühne gebracht – , dass mir der Abend aus dem Ruder läuft. Dann hat Jan Josef Liefers gelesen, und ich merkte, wie Pierre sich langweilte, er holte seinen Tabak raus, drehte eine Zigarette, rauchte die natürlich auf der Bühne … und plötzlich, mitten in die Lesung hinein, flüsterte er in sein Mikrofon ein einzelnes Wort: „Rattengesicht“. Naja, Jan Josef Liefers platzt natürlich los, lacht, das Publikum auch, und Pierre sagt, dass er deutsch lerne, jeden Tag ein Wort, er habe deutsche Freunde, die hätten ihm heute dieses Wort mitgebracht. Das war sein Wort des Abends: Rattengesicht. Ich habe dann lieber schnell Schluss gemacht, das war einfach eine großartige Lesung!

Gehst Du auch privat auf Lesungen?

Nicht so oft, aber ich komme ja auch nicht dazu, weil ich so sehr mit meinen Moderationen beschäftigt bin. Auf Literaturfestivals wie der lit.cologne gucke ich mir manchmal Kollegen an, auch um zu sehen, wie die arbeiten. Das ist immer sehr interessant. Zum Beispiel habe ich mir vor einigen Jahren hier auf der lit.cologne etwas von Dennis Scheck abgeguckt, Denis Scheck moderiert ja auch viel englischsprachige Autoren. Und Denis hat so eine tolle Art, immer den Namen des Übersetzers des Buches zu nennen. Das hatte ich bis dahin viel zu wenig gemacht, und dann habe ich das für mich übernommen.

Was hältst Du denn überhaupt grundsätzlich von Lesungen? Ist das eine Kunstform für Dich, findest Du die Arbeit für Lesungen so wichtig wie die Arbeit an Büchern selbst?

Eine meiner ersten Moderationen überhaupt liegt jetzt schon fast 30 Jahre zurück, 1983 war das. Seamus Heaney habe ich da vorgestellt, den nordirischen Nobelpreisträger.  Naja, und nach meiner Einführung stand Heaney auf und ging nach vorne an den Bühnenrand und sagte feierlich: „Let’s not be mistaken! This got nothing to do with literature – it’s all about entertainment!“ Diese Sätze finde ich bis heute gut. Eine Lesung kann das richtige, konzentrierte Lesen eines Buches niemals ersetzen, sie ist etwas ganz anderes, aber sie muss eben als etwas Anderes einen guten, informativen, unterhaltsamen Abend für die Leute ergeben, der vielleicht auch dazu anregt, das Buch zu lesen. Und dazu wiederum sind Lesungen ein großartiges Mittel!

Diesmal moderierst Du insgesamt sechs Veranstaltungen. Worauf freust Du Dich denn bei dieser 10. lit.cologne besonders?

Eine Lesung, auf die ich mich diesmal sehr freue, ist die von Nicola Keegan mit Fritzi Haberlandt. Wir haben ein paar Mal gemailt, als ich ihr Buch übersetzt habe, und sie wirkt unglaublich humorvoll und angenehm, ich bin sehr gespannt, sie kennenzulernen. Und dann freut man sich natürlich auch immer sehr auf Lesungen, bei denen man Leute wiedertrifft, die man von früher her kennt.  Mit John Burnside ist das so, der mit seinem Roman „Glister“ kommt, das wird bestimmt ein sehr guter Abend. Aber eigentlich freue ich mich auf jede Lesung, es macht ja gerade Spaß, so viel nebeneinander haben zu dürfen!

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4 Kommentare

  1. bernhard robben ist genau der richtige moderator für übersetzungen aus dem englischen. er, frank heibert und denis scheck, jeder auf seine art gut.

  2. Bernhard Robben ist einfach ein großartiger Moderator! Ich freue mich auf jeden litcologne-Abend doppelt, wenn ich weiß, dass er moderiert.
    Ganz große Klasse!!

  3. Ich habe Bernhard Robben gestern erstmals auf der LitCologne bei der Lesung von Norman Ollestad erlebt und war spontan begeistert von ihm und seiner klugen Moderation. Im nächsten Jahr werde ich meine Auswahl der Lesungen auch danach treffen, ob er moderiert.

  4. Ja, das stimmt. So gut wie keiner ist derartig flexibel einsetzbar wie er. Er legt die Meßlatte schon sehr hoch. Bin begeistert, weiter so!


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