Im proppenvollen Schauspielhaus stießen, prallten und rieben sich an- und aufeinander zwei wunderbar verschiedene Ansätze, über die Liebe zu sprechen. Proppenvoll war das Haus ganz sicherlich wegen einem dieser beiden Ansätze und seinem Vertreter: Richard David Precht darf seit seinem Philosophie-Erklärer vom letzten Jahr, „Wer bin ich – und wenn ja wie viele“ als bestsellender Publikumsmagnet gelten. Iris Hanika dagegen schreibt und denkt sicherlich eher für eine zahlenmäßig weit geringere Nische, dies aber im besten Sinn: Ihre klugen Feuilletons und Prosatexte werden gelesen und geliebt vom kleineren Kreis einer akademisch gestählten Intelligenzija.
Richard David Precht hat ein Sachbuch über die Liebe geschrieben, das jetzt gerade neu erschienen ist: „Liebe. Ein unordentliches Gefühl“. Iris Hanika dagegen hat einen Roman über die Liebe geschrieben, im vergangenen Herbst war er auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises: „Treffen sich zwei“.
Sachbuch und Roman, Massenpublikum und Nische, der Abend konfrontierte so auf das Allerschönste unterschiedliche Ansätze und machte von Anfang bis Ende großen Spaß. Precht ist ein Publikums-Bezauberer, seine naturwissenschaftlichen Theorie-Konzentrate wurden höchst vergnüglich und immer auf brüllend gute Pointen hin erzählt. Hanika konnte dagegen nicht an – und wollte das symphatischerweise auch gar nicht. Ihre Einwürfe, vor allem aber die Lesung aus ihrem großartigen Roman sorgten auch so dafür, dass Precht ein nicht gar so theoretisches, nicht gar so perfektionistisch vorgeführtes Gegengewicht bekam. Hanikas Schnoddrigkeit und ihr Unwille, auf jede Frage eine Antwort zu haben, war äußerst angenehm und der Ansturm auf den Büchertisch zeigte, dass ihr Text einfach überzeugt hat: Die Geschichte einer beginnenden Liebe im August, zwischen zwei Menschen in den Vierzigern, beiläufig erzählt, eindringlich erzählt, immer in den richtigen Worten.
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