In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine kurze lobende Besprechung der Vorstellung des neuen Sloterdijk-Buches, vorgestern im WDR-Gebäude: Die Vorstellung wird gelobt als gedankenreicher, sprächmächtiger, polemisch amüsanter Parforceritt durch die Kulturgeschichte, die kaum in zwei Stunden Lesung und Gespräch zu pressen war. Daher schließt die Kritik treffend mit einer Beschreibung des wackligen Spagats, den die Vorstellung von Literatur immer bedeutet, und der natürlich problematisch ist, aber eben auch anregend sein kann:
“Vielleicht war die Differenz zwischen Vortrag und Buch in neun Jahren lit.cologne noch nie so anspruchsvoll, vielleicht wurde dem Publikum noch nie so anregend beigebracht, dass der Autor ihm die Lektüre nicht abnehmen kann. So setzte sich neben den Befehl des Titels unausgesprochen ein zweiter: “Du musst das lesen!”
Der Kölner Stadt-Anzeiger weist mit einer Rezension auf die heutige Lesung der russischen Meistererzählerin Ljudmila Ulitzkaja hin, die in ihrem neuen Buch aus einer Lebensbeschreibung heraus eine ganze Epoche furios ausmalt:
“In ihrer inbrünstigen Anstrengung ähnelt die Autorin ihrem Helden. Sie ist diesmal weniger Sprachkünstlerin als Monteurin, die aus vielen Teilen eine Handlung erschafft, ein abenteuerlicher Vorgang, umso schwieriger, als die Kunstfigur Daniel Stein bei aller ethischen Motivation nicht stark genug scheint, das Jahrhundert herauszufordern.”
Und die Kölnische Rundschau hat Rainer Ossnowski, einen der Geschäftsführer der lit.cologne, interviewt, das Gespräch ist auch online zu finden. Ossnowski findet es beileibe nicht schlimm, wenn anspruchvollere Veranstaltungen mal nicht ganz ausverkauft sind, da über den guten Ruf der lit.cologne immer noch weit mehr Interessierte den Termin wahrnähmen, als das in anderen Städten der Fall sein könnte. Über den häufigen Vorwurf, lediglich mit populären Moderatoren größeren Andrang zu erzeugen, sagt er, dass ihm das gerade recht wäre, da ja wohl nicht automatisch das Niveau sinke, wenn ein populärer Moderator präsidiere. Außerdem verweist er auf die Gespräche von Miriam Meckel mit Sloterdijk und Jochen Hörisch mit Kehlmann, bei denen großen Zuschauerzahlen einerseits bekannte, andererseits aber andererseits sicherlich nicht populär pauschalisierende Moderatoren vorgesetzt wurden. Und dann noch Vorfreude: Ossnowski fiebert der Lesung von T. C. Boyle entgegen, einer seiner Lieblingsautoren, das wird ein Wochenende!
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