Köln, Schramma, Stadtarchiv

Überall zugleich kann man leider nicht sein, die Lesung zur Gastro-Gala der lit.cologne wurde nicht ausspioniert. Weiter unten im Blog jedoch ein Kommentar, der  das angerichtete Potpourri als allzu leicht befindet. Ob das zutrifft oder nicht, soll hier nicht zur Debatte stehen: Schön erscheint uns jedoch an der lit.cologne die Mischung aus sehr leichter und dann anderswo doch wieder gehobenerer Kost: Sehr große Abende werden auch mal sehr populär abgehalten, daneben aber gibt es an anderen Orten auch Vertrackteres und Verstiegeneres für weitergehend Interessierte zu finden. Die Mischung macht’s, oder nicht?

Zur großen  Gala in der Philharmonie hier aber  noch ein Wort: Aufgeschnappt haben wir nämlich, dass Oberbürgermeister Schramma bei der Gala anwesend war und in der Moderation auch erwähnt wurde – jedoch nicht wie sonst absolut üblich auch seinen Applaus bekam. Köln fremdelt mit ihm, den Volksnähe-Test hat er gestern absolut nicht bestanden.

Überhaupt lässt sich auch vom reinen Besuch der Lesungen her absehen, wie tief die Stadt vom Einsturz ihres Archivs betroffen ist. Obwohl die Lesungen das Thema niemals direkt verhandeln, spürt man doch allenthalben Bestürzung, Verwirrung, mitunter Wut. Ein schlagendes Beispiel dazu sicherlich Amelie Frieds Lesung aus „Schuhhaus Pallas“ vorgestern: Fried wurde nach ihrem Bericht über ihre NS-Familienrecherche vom gebannten Publikum gefragt, wie man derartige Recherchen denn nun selbst  anfangen könne. Ganz unbefangen antwortete sie, man könne mit dem Suchen beispielsweise in den Stadtarchiven anfangen – und war ganz verwirrt, als in der Kulturkirche plötzlich Raunen und Murmeln anhob. Auf ihre ratlose Frage, was sie denn gerade falsch gesagt habe, dann nur ein Ruf als Antwort, nicht mal wütend, der einfach nur bilanzierte, was dieser Stadt und ihrem kulturellen Gedächtnis geschehen ist: „Wir haben doch kein Archiv mehr!“

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